Publikationshinweis – Jesko Bender: 9/11 erzählen

Gerne weise ich hier auf die neue Publikation im Bielefelder transcript-Verlag von Jesko Bender hin. In der Arbeit mit dem Titel »9/11 erzählen« untersucht der Germanist Jesko Bender wie in Werken von Autoren wie Ulrich Peltzer, Katharina Hacker und dem Österreicher Paulus Hochgatterer ein, so Bender, als Ende der Kommunikation und als nicht lesbar angesehenes Phänomen durch Literatur wieder lesbar wird. Wohl auch, indem die Texte das Phänomen in einen spezifisch deutschen Kontext einschreiben.

Jesko Bender: 9/11 erzählen. Terror als Diskurs- und Textphänomen, Bielefeld, 2017.

Weitere Informationen zum Band direkt auf den Seiten vom transcript-Verlag.

Call for Papers – 17. Workshop des Netzwerks Terrorismusforschung

Anfang Oktober findet der jährliche Workshop des Netzwerks Terrorismusforschung in Tübingen statt. Hier der Call…

Fristverlängerung Aufruf für Konferenzbeiträge / Call for Papers

17. Workshop des Netzwerks Terrorismusforschung
(Tübingen, 5./6. Oktober 2017)


Veranstaltungsdatum:       Do., 05. – Fr., 06. Oktober 2017
Neue Einreichfrist:             04. September 2017
Ort:                 Alte Aula, Institut für Erziehungswissenschaften,
Eberhard Karls Universität Tübingen

Schwerpunktthema:
Ästhetiken und Poetiken des Terrorismus
(Gerne können davon abweichende Fragestellungen und Forschungsarbeiten ein­gereicht und präsentiert werden)

Zum Thema:
Der Ansatz, politischen Extremismus und Terrorismus als geistige (hinsichtlich der inter­nationalen Entwicklung mehr und mehr auch „geistliche“) Formationen und Akte der Lek­türe politischer, soziologischer und ästhetischer Texte zu betrachten, fand bisher wenig öffentliches Interesse. Dabei verweist die Verwendung literari­scher Motive und Formen im Kontext des Formierungs- und Radikalisierungspro­zesses – wie die des sozialrevolutionä­ren Linksterrorismus in der BRD in den 1970er Jahren – insbesondere auf die handlungs­anleitende Rolle künstlerischer, theoretischer und politisch-programmatischer Texte.

Literarische Texte können sowohl Einblick geben in die Mechanik der Ideologisie­rung und Emotionalisierung des Einzelnen, als auch die Tiefenstrukturen der Dy­namik terroristi­scher Gruppierungen aufzeigen, indem sie deren Gefühle artikulie­ren und dokumentieren. Diese Texte können aber auch, „radikal“ gelesen, jeder­zeit und überall neu „gezündet“ werden. So finden sich in der Stammheim-Biblio­thek der RAF neben mehr als tausend programmatischen Schriften auch Klassiker von Flaubert, Brecht, Genet und Melville – und wie auch später Osama bin Laden studierten sie Texte des Sprachwissenschaftlers Noam Chomsky.

Der Workshop möchte mit seinem Schwerpunktthema das dialektische Verhältnis von Sprache als Handlung und Handlung als Sprache untersuchen und stellt damit den schmalen Grat zwischen Sprachgewalt, Gewaltfantasie und externalisierter Gewalt ins Zentrum. Über welche Texte sind terroristische Gruppen miteinander verbunden? Welche Rolle spielen Manifeste und Bekennerschreiben als Binde­glied von Theorie und Praxis, von Autor und Tat? Welche Rolle spielen poetische, fiktionale und programmatische Texte in der Entwicklung extremistischer und ter­roristischer Organisationen? Welche Möglich­keiten der Einflussnahme gehen von ihnen aus? Wie wirken sich (gemeinsame) Lektüre­erfahrungen auf die Genese von Gewalt- und Terrorakten aus? Inwiefern gestalten sie diese mit – und inwie­fern spielen weitere medialen Formen und „Sprachen“ eine Rolle?

Im Fokus des Workshops steht in diesem Sinne die Frage nach den „Ästhetiken“ und „Poetiken“ von Terrorismus im 20. und 21. Jahrhundert: sowohl nach den möglichen geis­tigen „Verursachern“ im Bereich der Kunst und der Literatur, als auch nach der Produktion und der Bearbeitung und Darstellung von Terrorismus.

Wie üblich bei den Workshops des NTF können gerne auch Fragestellungen und Forschungsarbeiten unabhängig vom Schwerpunktthema eingereicht und präsen­tiert werden.

Beiträge und Deadline:
Das Netzwerk Terrorismusforschung richtet sich an Fachleute und Wissenschaft­lerInnen, die zum Thema Terrorismus und politische Gewalt arbeiten und forschen. Besonders promovierende WissenschaftlerInnen werden ermutigt, ihre Projekte, Arbeiten und The­sen vorzustellen. Präsentationen sollten ca. 20-30 Minuten umfassen und im Anschluss Gelegenheit zur Diskussion bieten.

Interessierte sind aufgerufen, ein Abstract im Umfang von ca. 500 Wörtern zu formulie­ren. Vortragssprachen sind Deutsch oder Englisch.

Die Abstracts senden Sie bitte bis zum 4. September 2017 an Isabelle Holz, isabelle.holz@uni-tuebingen.de. Feedback erhalten alle EinsenderInnen bis zum 10. Sep­tember 2017. Eine Anmeldung von NTF-Vereinsmitgliedern sowie von externen Gästen wird bis zum 15. September erbeten.

Programm:
Das Programm des Workshops (inkl. Wegbeschreibung, Unterkunftsliste etc.) wird Mitte September an die TeilnehmerInnen verschickt und auf der Internetseite des NTF unter http://www.netzwerk-terrorismusforschung.org veröffentlicht.

Teilnahmebeitrag:
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Eine Teilnahme ohne Vortrag ist ebenfalls möglich. Die Übernahme von Reise- und Unterkunftskosten ist seitens des NTF e.V. leider nicht möglich. Alle teilnehmende Gäste und ReferentInnen bitten wir, sich indi­viduell zu organisieren.

Zum Netzwerk Terrorismusforschung:
Das Netzwerk-Terrorismusforschung (NTF) ist ein Zusammenschluss von mittlerweile über 400 jungen WissenschaftlerInnen und Fachleuten aus verschiedenen Disziplinen, die sich mit Fragen und Problemen des Themenbereichs Terrorismus, Terrorismusprävention und Sicherheitspolitik befassen. Es soll Kontakte schaffen und als Forum dienen für Ideen- und Informationsaustausch, zur Vorstellung von Projekten sowie deren gemeinsa­mer Initiierung, Planung und Realisierung. Das zentrale Werkzeug ist neben der Website und dem Mailverteiler der halbjährlich stattfindende Workshop. Auf diesem können lau­fende wie abgeschlossene Arbeiten sowie Projekte präsentiert und diskutiert werden. Das Netzwerk Terrorismusforschung steht darüber hinaus Interessierten aus Medien, Verwal­tung und Politik offen und bei Anfragen – z.B. für den Kontakt mit Experten bei spezifi­schen Fragen – zur Verfügung.

Mehr Informationen unter www.netzwerk-terrorismusforschung.org

Kontakt:
Netzwerk Terrorismusforschung e.V.
HD Dr. Stephan G. Humer
Lietzenburger Str. 53, Büro 255
10719 Berlin
info@netzwerk-terrorismusforschung.org

Ansprechpartner für den 17. NTF-Workshop:
Isabelle Holz, isabelle.holz@uni-tuebingen.de
Dr. Bernd Zywietz, zywietzb@uni-mainz.de

 

Seminarhinweis – Terror und Literatur: RAF und NSU

An der Leibniz-Universität Hannover findet im Sommersemester 2017 ein  literaturwissenschaftliches Seminar unter dem Titel »Terror und Literatur: RAF und NSU« statt, dass höchst interessant klingt. Die am Deutschen Seminar stattfindende Veranstaltung wird von Mandy Dröscher-Teille, wissenschaftliche Mitarbeiterin ebendort, geleitet. Hier finden Sie den Kommentar mit näheren Erläuterungen auch zur gelesenen Literatur.

Terror und Literatur: RAF und NSU
Das Wort ‚Terror‘ leitet sich von dem lateinischen Verb ‚terrere‘ her und bedeutet soviel wie: jemanden erschrecken bzw. in Schrecken versetzen. Terrorismus erzeugt Terror, verbreitet also systematisch und durch massive Gewaltanwendung (Geiselnahmen, Bombendrohungen, Anschläge, Flugzeugentführungen) Angst und Schrecken, um bestimmte ideologische, politische oder religiöse Ziele zu erreichen. Terroristische Anschläge traumatisieren ganze Gesellschaften, nicht nur, weil die Terrorist/inn/en gezielt unschuldige Menschen töten, sondern weil sie nach einer berühmt gewordenen Formulierung von Franz Wördemann (Terrorismus: Motive, Täter, Strategien, 1977) „das Denken besetzen“ wollen und sich gegen ‚den Westen‘, ‚den Staat‘ und ‚die Kultur‘ richten. Neben historischen und soziologischen Analysen, die versuchen nachzuvollziehen, wie, wann und warum Personen sich radikalisieren, stellen sich auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller der kulturellen Herausforderung, terroristische Gruppierungen literarisch zu beleuchten, die Perspektive der Täter/innen, ihre Denkweise und Motive zu ergründen, das Geschehene aufzuarbeiten, aber auch einen geistigen Widerstand zu konstituieren.
Das Seminar untersucht die literarische Verarbeitung der RAF, deren Vertreter/innen u.a. 1977 den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführten und ermordeten, und des NSU, der zwischen den Jahren 1999 und 2006 Anschläge auf Migrant/inn/en in Deutschland verübte. Im Mittelpunkt stehen Texte von Uwe Timm (Rot), Frank Witzel (Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969), Rainald Goetz (Kontrolliert), Elfriede Jelinek (Ulrike Maria Stuart), Wolfgang Schorlau (Die schützende Hand), Juli Zeh/Ilija Trojanow (Angriff auf die Freiheit), Bernhard Schlink (Vergangenheitsschuld), Raul Zelik (Der bewaffnete Freund), Mario Krüger (Im Kopf von Beate Zschäpe oder Tee mit Schuss), Tanja Kinkel (Schlaf der Vernunft) u.a. In den Blick genommen werden ebenso Theaterinszenierungen, Spielfilme, Comics, Serien und Dokumentationen. Da das Verfassen von Propagandaschriften ein zentrales Signum terroristischer Gruppierungen ist, betrachten wir darüber hinaus Texte von Ulrike Meinhof selbst und verfolgen ihre Entwicklung von einer politisch engagierten Journalistin zur militanten Terroristin.

Zur Vorbereitung:
Bräunert, Svea: Gespenstergeschichten. Der linke Terrorismus der RAF und die Künste. Berlin: Kadmos 2015.
Henschen, Jan: Die RAF-Erzählung. Eine mediale Historiographie des Terrorismus. Bielefeld: transcript 2013.
König, Michael: Poetik des Terrors. Politisch motivierte Gewalt in der deutschen Gegenwartsliteratur. Bielefeld: transcript 2015.

Quelle: https://www.germanistik.uni-hannover.de/mandy_droescher-teille.html

 

Publikationshinweis – Svea Bräunert „Gespenstergeschichten“

Gerne verweise ich hier auf die neue Publikation von Svea Bräunert über die Verarbeitung des RAF-Terrorismus in Literatur, Film und bildender Kunst, erschienen im Oktober dieses Jahres im Kulturverlag Kadmos.

Svea Bräunert: Gespenstergeschichten. Der linke Terrorismus der RAF und die Künste [Kaleidogramme, Bd. 131], Berlin, 2015.

Hier geht’s zu weiteren Informationen auf der Verlagsseite.

Kadmos-Screen

Interview zu »Poetik des Terrors« im rbb kulturradio

Am 20.05.2015 hat mich Britta Bürger im rbb kulturradio zu meinem Buch befragt. Leider ist der Interviewmitschnitt wohl nicht mehr online verfügbar. Hier wenigstens der Ankündigungstext…

KULTUR AKTUELL
Gespräch mit Michael König zu »Poetik des Terrors«
Terroranschläge sind allgegenwärtig. Und bleiben einem oft zugleich fern. Denn Sie finden in anderen Ländern statt, sind irrational und schwer zu verstehen. Wo politischer Terrorismus in der deutschen Gegenwartsliteratur stattfindet, dafür interessiert sich schon seit längerem der Germanist Michael König. Sein eben veröffentlichtes Buch „Poetik des Terrors“ untersucht Beispiele u.a. von Ulrike Draesner, Sherko Fatah und Hans Magnus Enzensberger.

rbb-kultur

X

ARD-Mediathek

Strich - schwarz

 

Beitrag über »Poetik des Terrors« in »Buchkultur«

Buchkultur-Cover

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Buchkultur

Jan Drees: Schreiben über Gewalt. In: Buchkultur. Das internationale Buchmagazin. Heft 159, April/Mai 2015; S. 49.

Quelle im Netz: http://www.buchkultur.net/

»Terror als Text« – Ein Radiofeature von Jan Drees über den Zusammenhang von Kunst und politischer Gewalt

TerroralsText

Am Sonntag, den 8. Februar 2015 sendet der Bayrische Rundfunk (Bayern 2) ein Feature von Jan Drees über den Zusammenhang von Kunst und politischer Gewalt, für das ich ein paar O-Töne beisteuern durfte. Hier der Ankündigungstext:

TERROR ALS TEXT
Über den Zusammenhang von Kunst und politischer Gewalt
von Jan Drees

Terror als Text - ein Radiofeature von Jan Drees - Bayern 2

»Das war das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat.« Mit diesen abscheulichen Worten reagierte der Komponist Karlheinz Stockhausen auf die Terroranschläge von 9/11 in New York. Die Empörung war exorbitant. Doch es gibt einen Zusammenhang zwischen Kunst und Terrorismus, der seit einiger Zeit genauer untersucht wird. Was bedeutet diese unheilvolle Allianz?

»Es gibt in meinem Buch einen Satz, der mehrfach wiederkommt und umgedreht wird. Der heißt eigentlich ›Phantasie ist eine der schlimmsten Möglichkeiten des Terrorismus‹ . Kluges, strategisches Denken. Aber dieser Satz lässt sich umdrehen: ‚Terror ist eine der schlimmsten Möglichkeiten der Phantasie.‘ Er kommt also aus dem Vermögen, in den berühmten Musilschen Möglichkeitsräumen zu denken, sich fiktive Szenarien auszudenken, jenem Vermögen, aus dem auch das Erfinden von Fiktion, das Schreiben von Romanen resultiert. Man sieht sozusagen, wie eine Möglichkeit sich wenden und in verschiedene Richtungen bewegen kann.« Ulrike Draesner über ihren Roman »Spiele«

Generator-Autor Jan Drees macht sich nach den Terroranschlägen in Paris auf die Suche nach dem Zusammenhang von Terrorismus und Kunst. Er besucht den bald 75-jährigen Schriftsteller Uwe Timm in dessen Münchner Wohnung – und spricht mit ihm über die ’67er-Revolte, die RAF und das Schreiben mit Blick auf die Schusswaffe. Er diskutiert mit Bestsellerautorin Ulrike Draesner über die Geburt des internationalen Terrorismus und den Anschlag auf die israelische Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Er spricht mit dem jungen Geisteswissenschaftler Michael König, der gerade einen Band über die »Poetik des Terrors« vorgelegt hat und fragt mit dem Siegener Professor Thomas Hecken nach der Verbindung von »Avantgarde und Terrorismus«. Eine Stunde über politische Gewalt, Terrorliteratur und ein perfides Narrativ, das die amerikanische Politik nach 9/11 etabliert hat und das von Orson Welles‘ Hörspiel »The War of the World« direkt in das Gefangenenlager von Guantanamo auf Kuba führt.

Bayern2

Terror als Text. Über den Zusammenhang von Kunst und politischer Gewalt, ein Feature von Jan Drees, Bayern 2, Zündfunk Generator,
Sonntag, 08.02.2015, 22:05 bis 23:00 Uhr.

Hier geht es direkt zur Seite vom Bayrischen Rundfunk.
Hier können Sie das einstündige Feature downloaden.

Strich - schwarz